Auf der Spur des Leders...ein Atelier der besonderen Art

Die Welt der Lederherstellung, seit dem 16. Jhdt. bis zur heutigen Zeit, wird in einer attraktiven Darstellungsweise erläutert, wobei verschiedene Sinne in Anspruch genommen werden: fühlen, riechen, lesen, spielen. Die physische Begegnung mit dem Material Leder ist eindrucksvoll.

Eine interaktive Bildschirmsäule, Dokumente aus Archiven, Werkzeug und Filme machen dieses Ateliers zu einem lebendigen Erlebnis.

Die Lederindustrie ist in Malmedy älter als die Papierindustrie. Sie hat die Stadt in besonderem Masse geprägt.

Die umliegenden Wälder (vornehmlich Eichenwald), das Wasser der Warche und der Warchenne und das Rindvieh haben die Grundelemente für diese industrielle Aktivität geliefert.

Das genaue Datum der ersten Gerbereien ist umstritten. Sicher ist jedoch, dass schon 1565 mehrere Gerbereien bestanden haben. Zunächst waren sie ohne jegliche Anordnung in der gesamten Stadt verstreut. Später jedoch wurden verschieden Verordnungen eingeführt, da die Bevölkerung sich mehr und mehr wegen des starken Geruchs beklagte.

Das Leder aus Malmedy und Stavelot hatte auch wegen seiner Qualität einen unumstrittenen guten Ruf in Europa. Nie hat die Lederindustrie so floriert wie zu Zeiten Napoleons, als die Soldaten mit Lederstiefel versorgt werden mussten. Die Industrialisierung im 19. Jhdt. hat jedoch die Lederherstellung auf den Kopf gestellt.

Mit der Ausdehnung der Verkehrswege und der technischen Entwicklung in der Herstellung, wurde die Produktivität der Lederindustrie beschleunigt. Die alten Fachwerkbauten der Gerbereien und die Holzbottiche wurden durch Betongebäude ersetzt. Zeitgleich wurden die traditionellen Gerbereizutaten der Gerberei ersetzt durch moderne Gerbereimittel, die aus Amerika importiert wurden , wie das Quebracho, die Kastanie, das Mimose. Diese Umwälzung erlaubte es, die Lederherstellung um 6 bis 8 Wochen zu verringern, anstelle der 3 Jahre mit der bisherigen Methode.

Durch die Einfürung von Chromdioxid kurz vor dem ersten Weltkrieg, konnte das Leder in wenigen Stunden hergestellt werden.

Viele Gerbereien haben diese Modernisierungen nicht überlebt und mussten nach und nach schliessen.

Anfang 1920 bestanden nur noch zwei Gerbereien, wovon die Gerberei Lang noch bis nach dem 2. Weltkrieg weitergeführt werden konnte. Aber auch sie wurde 1998 engültig geschlossen. Seit dem 21. Jhdt. wird kein Leder mehr in Malmedy hergestellt.

Das ganze Jahr geführte Gruppenbesichtigungen.  Mehr zu den Eintrittspreisen.